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zwd-POLITIKMAGAZIN - Newsletter FRAUEN & GESELLSCHAFT (04.08.2026)

THEMEN: KATHARINA REICHE | WAHLRECHTSREFORM & INTERVIEW CARMEN WEGGE | WIRTSCHAFT: SPITZENPOSITIONEN VERMEHRT WIEDER IN MÄNNERHAND | DER KANZLER UND DIE ALLEINERZIEHENDEN

Liebe Leserinnen und Leser !

Nach einer Pause melden wir uns mit einem Newsletter zurück. Zugleich möchten wir Sie darauf hinweisen, dass auf dem Portal des zwd-POLITIKMAGAZINs eine neue Rubrik zur Verfügung steht: zwdigital, das digitale Überblicksportal, in dem auf Nachrichten aus Frauen & Gesellschaft, Bildung & Wissenschaft, Kultur & Medien sowie auf Meinungsbeiträge aufmerksam gemacht wird (zumeist mit einem Link zum Weiterlesen).

Entschuldigungen sind in der Politikszene immer noch viel zu selten...

Dieser Newsletter erscheint vor dem Hintergrund der Turbulenzen in der CDU, ausgelöst durch den vom Bundeskanzler forcierten Rücktritt des Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn. Er hat das latente Misstrauen gegenüber der Glaubwürdigkeit von Spitzenpolitikern insgesamt, vor allem aus dem Unionslager, nachhaltig bestätigt. Hatte jener nicht anlässlich der Corona-Pandemie gesagt: "Wir werden einander viel verzeihen müssen". Wäre es nicht an ihm gewesen, nach der Leihmutter-Affäre seine Parteifreund:innen und die Öffentlichkeit wegen seines politisch fragwürdigen Verhaltens um Verzeihung zu bitten? Fehlanzeige: „Privatsache“. Ganz schweigen von einer Entschuldigung Spahns wie ebenso seiner Fraktionskolleg:innen an die Adresse von Prof.in Frauke Brosius-Gersdorf, deren Kandidatur für das Bundesverfassungsgericht durch seine Mitwirkung an einer beispiellosen Kampagne, gestützt auf unzutreffende Plagiatsvorwürde, ausgebremst wurde. Auch davon haben wir nichts gelesen.

Die verunglückte Kabinettsumbildung, doch der größte Brocken steht noch bevor Katherina Reiche

Sich selbst verzeihen muss sich auch Bundeskanzler Friedrich Merz nach den überhasteten und holprig abgelaufenen Schritten zur Umbildung der Bundesregierung, weil er sich dazu nicht die notwendige Ruhe genommen hat und auch noch das notwendige empathische Gespür vermissen ließ. Dabei stehen dem Kanzler die größten Brocken noch bevor: die Regelung der Personalie Katherina Reiche. Spätestens nach den für die CDU möglicherweise desaströs verlaufenden ostdeutschen Wahlen ist Kassensturz (wohl auch für die SPD und die GRÜNEN).
Im zwd-Portal hatten wir bereits am 22. Juli angemahnt, dass die Union dringend eine professionelle Persönlichkeit an der Spitze des Bundeswirtschaftsministeriums benötige, die wie ehedem Prof. Karl Schiller (SPD) in der 1966 gebildeten ersten großen Koalition von CDU/CSU und SPD neues Vertrauen wecken konnte und einen neuen Aufschwung bewirkte, der sich der ersten großen Nachkriegsrezession in der Bundesrepublik erfolgreich entgegenstemmte.

Erinnerungen an 1966: "Erhard ist und bleibt Bundeskanzler" und wurde bald darauf von seinen eigenen Leuten gestürzt

Es könnte, wie die Schlagzeilen von BILD, Handelsblatt und anderen Medien es von den Dächern pfeifen, vielleicht noch schneller gehen als heute absehbar. Und dabei ist nicht einmal ausgemacht, ob nicht sogar am Ende der Kanzler im Strudel um seine unglücklich agierende Ministerin aus dem ostdeutschen Luckenwalde mitgerissen wird. Auch das gab es schon einmal 1966, als die Union aus machtpolitischen Gründen ihrem eigenen Kanzler Ludwig Erhard trotz Wahlsiegs bei den Bundestagswahlen ein Jahr zuvor den Stuhl vor die Tür setzte ...

Wir wünschen eine ansprechende Lektüre und spannende Ferientage voller publizistischer Sommerlöcher,

die zwd-Herausgeber:innen und die Redaktion


Jetzt geht es um Personalie Katherina Reiche - offen ist nicht ob, sondern nur, wann sie gehen wird

Die Hauptstadt-Medien beschäftigt nun die Frage, wann die sowohl in der Öffentlichkeit als auch im eigenen Hause unglücklich agierende Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ihren Posten räumen muss. Aufgrund der Turbulenzen, die mit der Neuberufung von Minister:innen und Staatssekretär:innen in die Bundesregierung verbunden waren, wird sie noch eine kurze Weile bleiben dürfen, bis sich die dunklen Wolken verzogen haben. Das Fass scheint längst übergelaufen zu sein. Insofern ist es vor allem die Frage, ob und welche wirtschaftspolitisch kompetente und über die Parteigrenzen hinaus anerkannte Persönlichkeit sich bereitfindet, im Kabinett Merz das Reiche-Ressort zu übernehmen und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Der aktuelle Stand. und Unser Kommentar.

Koalitionsausschuss – jetzt mit drei Frauen und neun Männern

Einen kleinen Hoffnungsschimmer könnte es nach der Kabinettsumbildung immerhin geben: der Koalitionsausschuss wird ein bisschen weiblicher. Ob das der Politik und gar den Bemühungen um gleichberechtigte Repräsentanz von Frauen in den Parlamenten hilft? Vor skeptischen Kommentaren, die schon kursieren, sollten der neuen Kanzleramts-Chefin und der neuen CDU-Generalsekretärin die üblichen Schonfristen von 100 Tagen gewährt werden.

Interessant wird sein, welchen Kurs die Bundesvorsitzende der CDU Frauen Union, Nina Warken, im Hinblick auf die gleichberechtigte Repräsentanz von Frauen und Männern in den Parlamenten (gemäß Koalitionsvertrag) einschlagen wird. Der Kanzler hat sich schon, wie im zwd-POLITIKMAGAZIN Ausgabe 408 berichtet, sorgenvoll zu dem geringen Frauenanteil in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion (und ebenso bei den Führungspositionen der Wirtschaft geäußert. Dass er eine Frau an die Spitze des Kanzleramts gestellt hat, kommt nicht von ungefähr. Er folgt damit dem energischen Drängen der Unionsfrauen und stellt sich damit in die Tradition der Union. Es bleibt unübersehbar, dass die CDU immer wieder Frauen in die erste Reihe gestellt hat: mit Angela Merkel die erste und bisher einzige Bundeskanzlerin, mit Rita Süßmuth die erste Bundesfrauenministerin und mit Ursula von der Leyen die erste Bundesverteidigungsministerin sowie erste EU-Kommissionspräsidentin Frauen. Mehr dazu iim zwd-POLITIKMAGAZIN, Ausgabe 412.

SPD beharrt auf Parität und will auch die Frauenteilhabe bei Direktmandaten forcieren

In einem Interview mit dem zwd-POLITIKMAGAZIN hat die Bundesvorsitzende der SPD Frauen und rechtspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Carmen Wegge die Zielvorstellungen ihrer Partei unterstrichen, in dieser Legislaturperiode des Bundestages eine geschlechtergerechte Wahlrechtsreform zu erreichen. Das Interview mit Carmen Wegge.

Anteil der Frauen in Führungspositionen teilweise rückläufig

Hinsichtlich der Frauenteilhabe in der Wirtschaft ist aktuell nun die Gleichstellungsministerin und CDU-Vizin Karin Prien (CDU) gefordert, wie die aktuelle Situation der zu wenigen Frauen an den Spitzen von Unternehmensvorständen und Aufsichtsräten durch FidAR verdeutlicht. Der Bericht im Portal: https://www.zwd.info/sinkender-frauenanteil-spitze...


zwd-Nachrichten

4. August 2026 (ig). zwd Berlin/München. Trotz nachhaltigem Werben von CSU-Chef Markus Söder und dem Eintreten bayerischer SPD-Politiker:innen wird es für die auch außerhalb ihrer Partei angesehene CSU-Politikerin Ilse Aigner wohl nicht reichen, die erste Bundespräsidentin zu werden. Nach den Worten des neuen Chefs der CDUI/CSU-Bundestagsfraktion Thorsten Frei in WELT-TV muss es in Zeiten, in denen das deutsche Staatsoberhaupt als „Stabilitätsanker unserer Gesellschaft“ für die Sicherung der Demokratie gebraucht werde, nicht zwingend eine Frau statt einem Mann sein. Der 30. Januar 2027 könnte ein symbolträchtiger Tag werden. mehr...

2. August 2026 (GesCh/ig). Die Gesellschaft Chancengleichheit mischt sich in die aktuelle Debatte zur Wahlrechtsreform ein... mehr...

29. Juli 2026 (red/hk). zwd Berlin. In einem Kommentar in diesem Portal hatte zwd-Herausgeber Holger H. Lührig am 22. Juli darauf hingewiesen, dass die Union für ihr politisches Überleben vor allem ihre Glaubwürdigkeit in der Wirtschaftspolitik zurückgewinnen müsse. Sie brauche einen Wirtschaftsminister oder eine Wirtschaftsministerin von Format. Das Ministerium unter Leitung von Bundesministerin Katherina Reiche (CDU) steht vor weiteren Turbulenzen: Zwei wichtige Persönlichkeiten aus dem Leitungsbereich verlassen das Haus. Die hausinterne Kritik an Reiches Führungsstil wird unverhohlen lauter und in den Medien zunehmend ausgebreitet. mehr...

29. Juli 2026 (ticker/ig). zwd Berlin. Der über Jahre anhaltende Anstieg des Frauenanteils in den Führungspositionen der Privatwirtschaft ist weitgehend gestoppt. In den Aufsichtsgremien der großen Börsenunternehmen stagniert der Anteil bei 37 Prozent, in den Vorständen ist er auf 19,1 Prozent gesunken. Gleichzeitig steigt die Zahl der Unternehmen, die mit Zielgröße Null – also einem frauenfreien Führungsgremium – planen. Diese gleichstellungspolitisch alarmierenden Zahlen ergeben sich aus dem aktuellen Women-on-Board-Index von FidAR mit Stand Mai 2026, der am Mittwoch in Berlin veröffentlicht wurde. mehr...

27. Juli 2026 (ig). zwd Berlin (ig). Der Koalitionsausschuss, das Gremium der Koalitionsspitzen von CDU, CSU und SPD, wird weiblicher geprägt. Anderthalb Jahre war die SPD-Co-Vorsitzende und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas in dem elfköpfigen Führungsgremium die einzige Frau neben 10 Männern. Nun wird es dort auch zwei Unionsfrauen geben: Die neue Kanzleramtsministerin Nina Warken, die auch Bundesvorsitzende der Frauen Union ist, und die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann. mehr...

27. Juli 2026 (ig). In einem Interview mit dem zwd-POLITIKMAGAZIN hat die Bundesvorsitzende der SPD Frauen und rechtspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Carmen Wegge herausgestellt, dass eine geschlechtergerechte Wahlrechtsreform als grundgesetzlicher Handlungsauftrag nicht nur geboten, sondern auch juristisch möglich sei. Mit seinem Urteil aus dem Jahre 2020 habe das Bundesverfassungsgericht die Tür für ein Paritätsgesetz nicht geschlossen, sondern ausdrücklich offengelassen. mehr...

27. Juli 2026 (ig). zwd Berlin. Die Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft SPD-Frauen Carmen Wegge hat sich zuversichtlich dazu geäußert, dass die Koalitionsfraktionen einen gemeinsamen Vorschlag dazu machen können sich „wie die gleichberechtigte Repräsentanz von Frauen im Parlament gewährleistet werden kann und ob Menschen ab 16 Jahren an der Wahl teilnehmen sollten.“ Wegge, die auch rechtspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion ist, verwies auf die 2023 veröffentlichten Ergebnisse der Wahlrechtskommission in der letzten Legislaturperiode des Bundestages. Die neu berufene Chefin des Bundeskanzlersamtes Nina Warken (CDU) hatte die Kommission geleitet. mehr...

17. Juli 2026 (red). Von der Öffentlichkeit relativ unbemerkt, findet sich auf der Facebook-Seite der Bundes-SPD ein Facebook-Plakat, auf dem die Partei mit der ehemaligen, am 1. Februar dieses Jahres verstorbenen Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth (CDU) und ihrem Eintreten für eine neue Wahlrechtsreform wirbt. Es rückt die langjährige CDU-Politikerin und dabei zumindest optisch in die Nähe der Sozialdemokratie. Eine Alternative hat die Gesellschaft Chancengleichheit aufgezeigt. mehr...

14. Juli 2026 (). Viele Frauen befürchten, dass die geplante Rentenreform sie nicht ausreichend berücksichtige. Das geht aus einer Umfrage von „Investforwomen“, einer nach eigener Darstellung unabhängigen Investment-Beratungsunternehmen für Frauen hervor. mehr...

26. Juni 2026 (ug). Frauen bilden die Mehrheit im Land, trotzdem sind sie mit rund einem Drittel im Bundestag deutlich unterrepräsentiert. Darüber sind sich die demokratischen Fraktionen einig, streiten jedoch über die richtige Lösung des Problems. Das wurde auch in der Bundestagsdebatte am 24. Juni, dem "Aktionstag #ParitätJetzt", deutlich. Während die SPD für eine 50-Prozent-Regel und wie Grüne und Linke für ein Paritätsgesetz eintritt, zieht sich die Union auf außerrechtliche Maßnahmen zurück. Der DGB fordert gemeinsam mit dem Bündnis #ParitätJetzt gesetzliche Gleichberechtigung in der Politik. mehr...

Lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe unter anderem:

Ausgabe 411: Themenschwerpunkt Wahlrechtsreform

Während wir schon an den Ausgaben 412 und 413 arbeiten, haben wir noch Themen aus der Ausgabe 411 des zwd-POLITIKMAGAZINs nachzutragen:

  • Den Schwerpunkt dieser Ausgabe, die vor der parlamentarischen Sommerpause erschien, bildete das Thema Wahlrechtsreform in Auswertung eines Online-Dialogs der Gesellschaft Chancengleichheit. Dazu haben wir eine besondere Beilage dem Magazin beigefügt.
  • Ausführlich haben wir unser Magazin dem weiteren Thema der Wahlrechtsreform gewidmet – der Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre. Dabei bleibt unübersehbar, dass das Thema nicht nur in der Öffentlichkeit, sondcern sogar bei den politischen Jugenmdorganisationen nur wenig Resonanz findet. Ob es zu einer Grundgesetzänderung kommt, ist eher fraglich.
  • Schließlich haben wir an die am 20. Mai 2026 verstorbene ehemalige SPD-Schatzmeisterin und Gründungsvorsitzend der Gesellschaft Chancengleichheit Inge Wettig-Danielmeier (89) erinnert.


Ausgabe 412
SPD-Werbung mit Süßmuith-Konterfei für Wahlrechtsrform

Dass die Kommunikationsstrategen in der SPD-Zentrale ausgerechnet das Konterfei der am 1. Februar 2026 verstorbenen CDU-Politikerin Rita Süßmuth bemüht haben, um mit einem SPD-Design für eine paritätische Wahlrechtsreform zu werben, hat außerhalb der SPD-Zentrale unter SPD-Anhänger:innen wenig Verständnis geweckt. Wir haben ein alternatives Plakat produziert, das im Portal schon verfügbar ist (Siehe den Link zur Meldung). In der nächsten Ausgabe 412 beschäftigen wir uns mit dem Ergebnissen des Aktionstages #Parität jetzt. (Im Vorgriff wird der Bericht für Abonnent:innen auch auf dem Portal in Kürze verfügbar sein.)