Die Bildungschancen der Kinder in Deutschland hängen weiterhin stark von ihrem familiären Hintergrund ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Leibnitz-Instituts für Wirtschaftsforschung an der Universität München (ifo).

Über den mit Förderung der Initiative "Ein Herz für Kinder" erstellten ifo-Chancenmonitor hat am 28. April zuerst der Deutsche Philologenverbandes (DPhV) berichtet. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit, ein Gymnasium zu besuchen, bei 16,9 Prozent, wenn ein Kind mit Eltern ohne Abitur aus dem untersten Einkommensviertel ohne Migrationshintergrund aufwächst. Demgegenüber liegt sie bei 80,3 Prozent, wenn das Kind mit Eltern mit Abitur aus dem obersten Einkommensviertel mit Migrationshintergrund entstammt. Dabei fallen Bildung und Einkommen der Eltern besonders stark ins Gewicht.
Darüber hinaus liegt die Wahrscheinlichkeit des Gymnasialbesuchs bei Jungen (36,9 %) 6,6 Prozentpunkte niedriger als bei Mädchen (43,5 %). Der Gender-Gap findet sich in allen Gruppen des familiären Hintergrunds, ist aber in den obersten Bildungs- und Einkommensgruppen etwas geringer ausgeprägt. Handlungsempfehlungen für bessere Chancen für Kinder aus benachteiligten Familien betreffen nach Auffassung der Studienautor:innen Ludger Wößmann, Vera Freundl, Franziska Pfaehler, Florian Schoner und Olesia Tsaberiaba die Aufgabenbereiche
(1) frühkindliche Bildungsangebote,
(2) Unterstützung der Familien,
(3) gute Lehrkräfte an Schulen mit benachteiligten Kindern,
(4) kostenfreie Nachhilfeprogramme,
(5) spätere schulische Aufteilung und
(6) Mentoring-Programme.
Handlungsempfehlungen der Forschungsgruppe für bessere Chancen für Jungen sind
(1) mehr männliche Erzieher und Lehrkräfte,
(2) Reflektion von Geschlechterstereotypen, Unterrichts- und Erziehungsformen,
(3) frühe Förderung der Lesekompetenzen und
(4) der Selbstregulation von Jungen,
(5) Elternarbeit und (6) außerschulische Stärkung der Bildungsaspiration von Jungen.