Ministerpräsidentenkonferenz : GEW: Empfehlungen des RKI sollten handlungsleitend sein

29. Oktober 2020 // Ulrike Günther

Angesichts steigender Infektionszahlen haben Bund und Länder erneut umfassende Schritte zum Eindämmen der Epidemie vereinbart. Wenn Schulen und Kitas dennoch geöffnet bleiben sollen, dürfe es ein „weiter so“ jedoch nicht geben, hat die GEW gemahnt. Sie fordert ebenso wie der Bildungsverband VBE Unterricht in Lerngruppen. Die Grünen verlangen den Einbau von Lüftungsanlagen und genauere, verbindliche Regeln.

Bisher gibt es keinen einheitlichen Plan zum Gesundheitsschutz. -  Bild: Pixabay / Alexandra Koch
Bisher gibt es keinen einheitlichen Plan zum Gesundheitsschutz. - Bild: Pixabay / Alexandra Koch

zwd Berlin/ Frankfurt. Die Gewerkschafter*innen beider Verbände sehen die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) für den Gesundheitsschutz an Schulen als maßgeblich an. Die GEW schlug daher in einer Stellungnahme zur Videokonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsident*innen der Länder vom 28. Oktober vor, entsprechend dem derzeitigen Infektionsgeschehen den Unterricht in kleineren Lerngruppen abzuhalten.

Bund und Länder hatten am Mittwoch umfangreiche Maßnahmen, wie Kontaktbeschränkungen, Schließungen von Sport- und Freizeitstätten, vereinbart, die ab dem 02. November gelten sollen. Ziel sei es, das weitere Ansteigen der Infektionszahlen rasch zu hemmen, u.a. „damit Schulen und Kindergärten (…) verlässlich geöffnet bleiben können“.

GEW schlägt abwechselnd Präsenz- und Online-Unterricht vor

Ab dem Inzidenzwert 50 (Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner*innen) sollte das Lernen nach Ansicht der Vorsitzenden der ‚GEW Marlis Tepe für Schüler*innen der 5. und höherer Klassen abwechselnd in Präsenz und auf Distanz erfolgen. Auf diese Weise könnten „Gruppen verkleinert und Abstände eingehalten“ werden, erklärte Tepe. Zur Betreuung der Schüler*innen könne man Lehramtsstudierende heranziehen. Ergänzend müsse man laut Tepe ein regelmäßiges, konsequentes Lüften in den Klassenräumen gewährleisten. Dort, wo Fenster nur eingeschränkt zu öffnen seien, sollten Luftfilter zum Einsatz kommen.

Grüne fordern verbindliche Strategie für die nächsten Monate

Aus Sicht der Grünen-Fraktion sollte der schnelle Einbau von Lüftungsanlagen Teil einer Strategie für die kalte Jahreszeit sein. Anlässlich der Konferenz von Bundeskanzlerin Merkel mit den Ministerpräsident*innen der Länder kritisierten die Grünen, die Regierung habe trotz vorhersehbarer Belastungen, wie etwa des Schulbeginns oder der kühleren Temperaturen in den Herbst- und Wintermonaten, im Sommer nicht die erforderlichen Vorsorgemaßnahmen getroffen.

Daher müsse man die Zeit der erneuten Einschränkungen nutzen, um eine „Strategie mit verbindlichen, wirksamen Schritten“ zu erarbeiten, die das Land durch die Krisenmonate bringen könne. In diesem Zusammenhang verlangten die Grünen neben der Ausrüstung von Schulen mit Lüftungsgeräten auch, Risikogruppen verstärkt zu schützen und ein bundesweit einheitliches Regelwerk für die Zeit nach den neuerlichen Kontaktsperren.

VBE: KMK sollte Stufenplan an Infektionszahlen anpassen

Der Bildungsverband VBE hatte an den als „länderübergreifender Konsens“ präsentierten Ergebnissen der Kultusministerkonferenz (KMK) vom Vortag bemängelt, dabei handle es sich nur um einen schwachen Kompromiss. Der Vorsitzende des VBE Udo Beckmann warf der KMK vor, das regional uneinheitliche Vorgehen weiter zu befestigen. Anstatt den von der KMK schon im September vorgelegten Stufenplan , wie vom RKI empfohlen, konkreten Infektionszahlen zuzuordnen, würden die Ratschläge der Forscher*innen „lediglich als Teil eines ‚Orientierungsrahmens‘ dargestellt“, monierte Beckmann.

Das Recht auf Bildung sicherzustellen und Schulen offen zu halten dürfe nicht die Gesundheit der Lehrenden und Lernenden gefährden. Auch der VBE-Vorsitzende sprach sich für Lerngruppen mit weniger Schüler*Innen aus, in denen sich das Abstandsgebot einhalten lasse und ein besserer Infektionsschutz zu erreichen wäre als allein durch das Lüften der Klassenräume.

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