BERTELSMANN-STUDIE ZUR ERWERBSARBEIT VON FRAUEN ÜBER 45 : Mehr Frauen könnten nach der Kinderphase vollzeit arbeiten, wenn...

5. März 2026 // Redaktion

Auch nach der Kinderphase verharren viele Frauen weiterhin in Teilzeit – nicht selten in prekärer Beschäftigung. Grund sind auch finanzielle Fehlanreize durch das Ehegattensplitting. Bliebe vom Zusatzverdienst mehr Netto übrig, würden mehr Frauen erwerbstätig werden oder ihre Erwerbsarbeitszeit ausweiten. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung, die sich mit der Erwerbsbeteiligung von Frauen im Alter von 45 bis 66 Jahren befasst hat. Kritisch wird dabei auch das Ehegattensplitting beleuchtet

Die von den Arbeitsmarktexpert:innen Michaela Hermann und Eric Thode vorgestellte Studie kommt zu folgenden Kernergebnissen:

  • Mehr Erwerbsarbeit lohnt sich oft nicht: Rund 50 Prozent der teilzeitbeschäftigten verheirateten Frauen zwischen 45 und 66 Jahren geben an, dass es sich für sie finanziell nicht lohnt, die Arbeitszeit zu erhöhen. Unter den Nichterwerbstätigen in dieser Gruppe sind es immerhin knapp 35 Prozent, für die eine Erwerbstätigkeit aus finanziellen Gründen unattraktiv ist.
  • Großes Potenzial für mehr Beschäftigung: Eine getrennte Veranlagung von Ehepartnern könnte die Erwerbsquote um knapp 1,5 Prozentpunkteerhöhen und das Arbeitsvolumen um ca. 3 Prozent steigern – unterm Strich entspräche das bis zu 175.000 zusätzlichen Vollzeitstellen.

  • Was zusätzlich hilft: Geteilte Sorgearbeit und gute Arbeitsbedingungen verstärken den Effekt – unter solchen Voraussetzungen steigt der Anteil der Frauen, die sich Vollzeit (39 Stunden) vorstellen können, deutlich.

Nach Auffassung von Thode begünstigt das Ehegattensplitting vor allem Paarkonstellationen, in denen ein Partner nahezu das gesamte Haushaltseinkommen erbringt und der andere Partner maximal einen Minijob hat. Zumeist habe die Ehefrau das geringere Einkommen. Wenn sie ihre Erwerbsarbeit ausweitet, würde der Splittingvorteil schrumpfen und vom Mehrverdienst netto nur wenig übrig bleiben. Mehr Erwerbsarbeit lohnt sich daher finanziell oft nicht. Nach Berechnungen der Bertelsmann-Expert:innen würde es bei Wegfall des Ehegattensplittings weniger Minijobs und Nichterwerbstätigkeit geben; zugleich würden 175.000 Vollerwerbsstellen zusätzlich gebraucht.

mehr: Erwerbsbeteiligung von Frauen ab 45

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