FIDAR - FRAUEN IN DIE AUFSICHTSRÄTE : Die Quote wirkt, aber der Elan lässt nach

5. Januar 2024 // ticker/ig

Nach neuen Höchstständen bei den Frauen in Chefetagen im Sommer sind die Zuwächse zum Jahresende nur noch marginal. Insofern zieht die Organisation "Frauen in die Aufsichtsräte" (FidAR) für das Jahr 2023 eine gemischte Bilanz: „Dem Engagement der führenden Börsenunternehmen in Deutschland, mehr Frauen in Führungspositionen zu berufen, geht etwas die Luft aus."

Wie FidAR am 5. Januar bilanziert, ist der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der derzeit 179 im DAX, MDAX und SDAX sowie der im Regulierten Markt notierten, paritätisch mitbestimmten Unternehmen zum Jahresende nur leicht auf 36,5 Prozent gestiegen (Januar 2023: 34,9 %/Mai 2023: 35,3 %). Auch in den Vorständen konnte mit 18,9 Prozent der Spitzenwert aus dem Mai nur noch geringfügig gesteigert werden (Januar 2023: 15,3 %/Mai 2023: 18,3 %). Grundlage der Veröffentlichung ist der zum Jahreswechsel aktualisierte Women-on-Board-Index von FidAR mit Stand 1. Januar 2024.

Freiwillige Selbstverpflichtung wird nur unzureichend genutzt: 79 Unternehmen haben größten Nachholbedarf

Insgesamt zeige dieser Index, dass die 2015 mit dem Führungspositionengesetz I eingeführte 30-Prozent-Quote für die Besetzung der Aufsichtsräte börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen „zumindest zahlenmäßig wirkt". Bei den aktuell 100 der Geschlechterquote im Aufsichtsrat unterliegenden Unternehmen ist nach Angaben von FidAR der Frauenanteil weiterhin sowohl in den Aufsichtsräten (38,1 %/Januar 2023: 36,7 %) als auch in den Vorständen (20,6 %/Januar 2023: 17,4 %) signifikant höher als bei den 79 Unternehmen, die nicht unter die Quote fallen – hier liege der Frauenanteil in den Aufsichtsräten (31,6 %/Januar 2023: 29,3 %) und in den Vorständen (16,2 %/Januar 2023: 12,4 %) erheblich niedriger. Diese 79 Unternehmen haben den größten Nachholbedarf. Die Zahlen machten erneut deutlich, dass Formen der freiwilligen Selbstverpflichtung in Deutschland nur unzureichend genutzt werden.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Zahlen mahnt FidAR-Gründungspräsidentin Monika Schulz-Strelow, bei der aktuellen Veränderungsgeschwindigkeit bleibe das Ziel der Parität in weiter Ferne und sei kaum erreichbar. Sollten die Unternehmen nicht aktiver werden, bleibe dem Gesetzgeber nichts anderes übrig,. als gesetzliche Maßnahmen zu erweitern bzw. weiter zu verschärfen, um das erklärte Ziel der gleichberechtigten Teilhabe bis zum Ende des Jahrzehnts zu erreichen, resümierte Schulz-Strelow, die den WoB-Index seit der Erstauflage 2011 federführend betreut.

Die Unternehmen stehen unter Beobachtung"

FidAR-Präsidentin Anja Seng verknüpfte diese Feststellungen mit der Forderung nach „mehr Verbindlichkeit bei der gleichberechtigten Teilhabe“ Für sie gehört dazu, dass sich Unternehmen im eigenen Interesse deutlich mehr als bisher für die gleichberechtigte Teilhabe in Führungspositionen einsetzen. Dazu gehöre neben der Festlegung von Zielgrößen für Aufsichtsrat, Vorstand sowie die 1. und 2. Managementebene auch eine verbindliche Strategie für alle Führungsebenen, um die gleichberechtigte Teilhabe umzusetzen. Deutlich mehr Transparenz wünscht sich FidAR-Präsidentin Prof. Seng. Deutlich fügt sie hinzu: „Denn die Unternehmen stehen unter weit höherer Beobachtung“.

Im Women-on-Board-Index von FidAR werden derzeit 179 im DAX, MDAX und SDAX sowie der im Regulierten Markt notierten, paritätisch mitbestimmten Unternehmen untersucht. Davon unterliegen 100 Unternehmen der Geschlechterquote von 30 Prozent für den Aufsichtsrat, 60 von diesen Unternehmen fallen unter das Mindestbeteiligungsgebot im Vorstand.

Zwei Unternehmen mit bisher frauenfreier Führungsetage haben jetzt Frauen ihre Vorstände berufen

Mit Indus Holding und Vitesco Technologies Group haben laut FidAR zwei der Unternehmen, die unter das mit dem zweiten Führungspositionengesetz (FüPoG II) eingeführte Mindestbeteiligungsgebot von Frauen in Vorständen fallen und im Mai noch eine frauenfreie Führungsetage hatten, nun eine Frau in den Vorstand berufen: Indus Holding berief zum 1. Oktober 2023 Gudrun Degenhart für das Segment Materials in den Vorstand, Vitesco hat zum 1. November 2023 Sabine Nitzsche zur Finanzvorständin bestellt.

Ergänzend teilt FidAR mit, dass adidas die seit dem Juli 2023 mit dem Ausscheiden von Personalvorständin Amanda Rajkumar bestehende Lücke im Vorstand mit Wirkung zum 1. Januar 2024 geschlossen worden sei. Dort sei Michelle Robertson als Vorständin für den Bereich Global Human Resources, People and Culture berufen worden. Bei BASF scheide Arbeitsdirektorin und CTO Dr. Melanie Maas-Brunner zum Februar 2024 aus, werde aber durch Dr. Katja Scharpwinkel im Vorstand ersetzt. Zudem habe Südzucker angekündigt, dass mit Chief Digital Officer Helen Arnold die einzige Frau den Vorstand verlassen werde. Für FidAR ergibt sich daraus, dass dann für drei der 60 Konzerne, die aktuell unter das Mindestbeteiligungsgebot fallen, weiter Handlungsbedarf bestehe: Koenig & Bauer und Wüstenrot & Württembergische sowie Südzucker nach dem Ausscheiden von Vorständin Arnold. Das Mindestbeteiligungsgebot zeigt Wirkung – denn beim Frauenanteil liegen die 60 unter das Gesetz fallenden Unternehmen sowohl beim Aufsichtsrat (37,4 %) als auch beim Vorstand (22 %) klar über den Durchschnittswerten der untersuchten 179 Unternehmen.

Der WoB-Index wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die ausführliche Studie zum Women-on-Board-Index 185 vom Juli 2023 finden Sie unter www.wob-index.de.

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​Die Entwicklung des Frauenanteils an Führungsebenen und in Gremien der Privatwirtschaft und des öffentlichen Dienstes sowie der Unternehmen mit unmittelbarer Mehrheitsbeteiligung des Bundes wird von der Bundesregierung positiv beurteilt. Anders als das auf Zahlen des Jahres 2022 basierende IAB-Betriebspanel sieht die Regierung in ihrer 7. Information zur Entwicklung des Frauenanteils einen kontinuierlichen Anstieg – allerdings basierend auf Zahlen von 2020.

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