ANTRÄGE VON GRÜNEN UND LINKEN : Mehr Partnerschaftlichkeit und eine Gesamtstrategie zur Frauengesundheit

27. Juli 2026 // red

Im Rahmen der Sparpläne stellt die Koalition Sozialleistungen auf den Prüfstand, die Frauen und Familien betreffen. U.a. diskutiert die Regierung Einschränkungen beim Unterhaltsvorschuss und Elterngeld sowie eine Streichung des Kinderzuschlags. Die Grünen haben nun eine Reform des Elterngeldes beantragt, um Familien verlässlich abzusichern und partnerschaftliche Sorgearbeit zu fördern. Die Linken setzen sich für eine intersektionale Gesamtstrategie im Bereich Frauengesundheit ein.

Der Bundestag wird über die Anträge von Grünen und Linken beraten. - Bild: Wikiedia/ Steffen Prößdorf
Der Bundestag wird über die Anträge von Grünen und Linken beraten. - Bild: Wikiedia/ Steffen Prößdorf

Frauen und Politik - Grünen-Antrag

Elterngeld-Reform: Partnerschaftliche Modelle durch Anreize fördern (20.07.2026)

Aus Sicht der Grünen-Bundestagsfraktion sollte das Elterngeld Familien verlässlich unterstützen und Gleichstellung voranbringen. Seit die Bundesregierung die staatliche Förderhilfe für Mütter und Väter im Jahr 2007 einführte, habe sich zwar die Gesellschaft verändert, das Elterngeld jedoch nicht entsprechend weiterentwickelt. Mit ihrem Antrag (Drs. 21/ 7034) beabsichtigen die Grünen, partnerschaftliche Familienmodelle zu stärken und von Beginn an Anreize für gleichberechtigte Übernahme von Verantwortung in der Sorgearbeit zu setzen. Daher fordern sie die Regierung auf, beiden Elternteilen jeweils für sechs Monate das Basiselterngeld zu gewähren. Überdies sollen sie noch einmal sechs Monate untereinander flexibel aufteilen können. Alleinerziehende hätten demnach einen Anspruch, die Unterstützung für die gesamte Dauer von 18 Monaten zu erhalten.

Auch Pflegeeltern sollen ein Recht auf die Förderhilfe haben

Eltern sollten nach dem Willen der Grünen berechtigt sein, die Finanzhilfe bis inklusive des 14. Lebensjahres ihres Kindes zu beziehen. Darüber hinaus treten die Politiker:innen dafür ein, die staatliche Finanzhilfe auch für Pflegeeltern zugänglich zu machen. Damit Mütter und Väter die Elterngeldmonate gleichberechtigt nutzen, plädieren sie für eine dynamische Einkommensersatzrate, d.h. bei partnerschaftlich verteilter Förderdauer bekommen die Eltern den maximalen Betrag. Da die Höhe der Förderung über fast 20 Jahre konstant geblieben sei, müsse man die Basis-Leistung auf mindestens 500 Euro bzw. höchstens 2.400 Euro anheben. Diese Beträge seien regelmäßig und automatisch an die Preissteigerung anzupassen, um Familien längerfristig finanziell abzusichern. Weiterhin raten die Grünen, das Elterngeld über eine flexibilisierte Grundlage für die Berechnung an die tatsächlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen von Selbständigen anzugleichen.


Frauen und Gesundheit - Linken-Antrag

Für eine intersektionale Gesamtstrategie zur Frauengesundheit (17.07.2026)

Die Linksfraktion im Bundestag setzt sich für eine Gesamtstrategie zur Gesundheit von Frauen ein. Die medizinische Forschung weise systematische Geschlechterlücken auf, erklären sie in einem Antrag (Drs. 21/ 7058). Studien, Standards in der Diagnostik, Leitlinien für die Behandlung und Strukturen der Versorgung habe man historisch anhand männlicher Referenzpopulationen erarbeitet und auch auf Frauen angewandt, ohne sie hinreichend anzupassen. Dies könne in der Folge dazu beitragen, dass sich Diagnosen verzögern, Patientinnen unangemessenen oder sogar schädlichen Heilverfahren ausgesetzt sind oder ihnen wirksame Therapien vorenthalten werden.

Geschlechtersensible Qualifizierung in Gesundheitsberufen erforderlich

Die Linken appellieren an die Bundesregierung, eine „ressortübergreifende Gesamtstrategie für Frauengesundheit“ vorzulegen, an deren Erstellung Forschung, Mitarbeiter:innen aus der Versorgungspraxis, Nichtregierungs-Organisationen (NRO) und Vertretungen von Patient:innen zu beteiligen seien. Um die Strategie dauerhaft und bedarfsgerecht zu finanzieren, sei im Bundeshaushalt im Einzelplan 15 des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) ein eigenes Kapitel zu schaffen, das die Programme und Maßnahmen zusammenfasst und einen Anteil der Mittel für intersektionale sowie auf spezifische Zielgruppen ausgerichtete Ansätze vorsieht.

Ebenso empfehlen die Linken, auf Bundesebene eine Kontaktstelle zum Thema Frauengesundheit einzurichten, die Informationen aus den Bereichen Politik, Forschung und gesundheitsbezogener Berichterstattung bündelt, in Reporten aufbereitet und darauf hinwirkt, dass die Länder ähnliche Kontaktstrukturen in den Öffentlichen Gesundheitsdiensten aufbauen. Außerdem rufen sie die Regierung auf, im Gesundheitswesen die geschlechtsbezogene Qualifizierung verbindlich zu stärken, indem der Bund diesbezügliche Inhalte für die Bundesländer in Ausbildungen, Fort- und Weiterbildungen für Gesundheitsberufe fördert, verankert und dafür sorgt, dass geschlechter- und gendersensible Fragen in die durch Landesrecht geregelten Studien- und Ausbildungsgänge aufgenommen werden.

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