23. DGB-BUNDESKONGRESS BESCHLIESST FEMINISTISCHES PROGRAMM : MehrWert Gleichstellung – für eine geschlechtergerechte Neuausrichtung der Wirtschafts- und Finanzpolitik

11. Mai 2026 // Holger H. Lührig

Der 23. DGB-Bundeskongress hat am Montag in Berlin ein klares Bekenntnis zu einer geschlechtergerechten - ausdrücklich „feministisch" genannten - Wirtschafts- und Finanzpolitik abgelegt. In einem auf Initiative des DGB-Bundesfrauenausschusses beschlossenen Antrag werden die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aufgefordert, in die Gleichstellung der Geschlechter zu investieren und die Perspektiven und Bedürfnisse von Frauen in alle wirtschaftspolitischen Entscheidungen einzubeziehen. Der Beschluss des Gewerkschaftskongresses setzt sich unter der Überschrift "MehrWert Gleichstellung" für eine geschlechtergerechte Wirtschaftspolitik ein, die auf einem ganzheitlichen und feministischen Verständnis von Wirtschaft basiert.

DGB-Bundeskongress: Am Redepult die wiedergewählte Vorsitzende Yasmin Fahimi (Bild: Christian Plambeck/DGB)
DGB-Bundeskongress: Am Redepult die wiedergewählte Vorsitzende Yasmin Fahimi (Bild: Christian Plambeck/DGB)

Der DGB-Bundeskongress hat damit nicht nur einen Kontrapunkt gegenüber der bisherigen Wirtschafts- und Finanzpolitik der schwarz-roten Koalition gesetzt, sondern zugleich auch einen in der Geschichte der Gewerkschaften so nicht dagewesenen klaren feministisch ausgerichteten Kompass für die Prinzipien gewerkschaftlicher Politik definiert. Bereits die Über- und Zwischenüberschriften des Beschlusses veranschaulichen den Paradigmenwechsel. Der Beschluss des 23. DGB-Bundeskongresses gliedert sich auf 563 Zeilen in drei Hauptkapitel mit Unterkapiteln, die neben einer Beschreibung gewerkschaftlicher Positionen jeweils mit einem mit einen mehrere Punkte umfassenden Forderungskatalog abschließen.

1. Wertewandel: Grundsätze einer geschlechtergerechten Wirtschaftspolitik
1.1 Wohlstand ist mehr als Wachstum! Für einen ganzheitlichen Wohlstandsbegriff
1.2 Mehrwert durch Gleichstellung
1.3 Keine Produktion ohne Reproduktion! Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Sorgearbeit anerkennen
1.4 Feministisches Wirtschaftswissen in der Breite der Gesellschaft verankern
1.5 Hoch die internationale Solidarität!
1.5.1 Feministische Außen- und Entwicklungspolitik
1.5.2 Feministische Handelspolitik und geschlechtergerechte Lieferketten

2. Umsteuern: Gleichstellung durch geschlechtergerechte Finanzpolitik
2.1 Geschlechtergerecht besteuern
2.2 Schuldenbremse bremst Investitionen und Geschlechtergerechtigkeit
2.3 Geschlechtergerechte Haushaltspolitik umsetzen

3. Mehrwert schaffen: Investitionen in eine geschlechtergerechte Gesellschaft
3.1 Öffentliche Infrastruktur und Daseinsvorsorge als Voraussetzung für Gleichstellung und Demokratie ausbauen
3.2 Care ist MehrWert! Sorgeinfrastruktur verbessern
3.2.1 Frühe Bildung und Betreuung ausbauen
3.2.2 Pflegende stärken
3.2.3 Haushaltsnahe Dienstleistungen fördern
3.3 Staatliche Investitionen an Gleichstellung knüpfen und 503 Geschlechtergerechtigkeit in der Privatwirtschaft fördern

Zum Forderungskatalog siehe Kommentierung im zwd-POLITIKMAGAZIN (Ausgabe 412)

Der Link zum Antrag: https://www.dgb.de/fileadmin/download_center/Anträ...

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